Im Interview mit Benedikt Kratzer

Das Unternehmen Energietechnik Benedikt Kratzer GmbH & Co. KG aus Gablingen vor den Toren Augsburgs hat sich zur Aufgabe gemacht, seinen klassischen SHK-Betrieb zu digitalisieren. Die Firma um den Inhaber Benedikt Kratzer gehört für mich zu einem der innovativsten Handwerksbetriebe in ganz Deutsch­land. Ich durfte Benedikt bereits vor über zwei Jahren kennenlernen und war auch damals schon begeistert von seinen Ansätzen und Prozessen, die er bereits damals umgesetzt hatte.

In Form einer digitalen Master­mind, der aktuell zehn Unter­nehmer aus ganz Deutschland angehören, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, uns auf Augenhöhe auszutauschen und uns stetig weiterzuentwickeln. Benedikt ist wie ich ein Gründungs­mitglied. Daher freue ich mich umso mehr, dass wir jetzt dieses Interview führen. Benedikt schildert aus seiner Sicht, wie er es geschafft hat, seinen Betrieb weg vom klassischen Handwerksbetrieb hin zum digitalen Vorzeigebetrieb sowie zum Preis­träger „Digital Award Handwerk 2019“ (Richter + Frenzel) zu entwickeln.

 

Lieber Benedikt, erzähl doch mal kurz, wie lange bist du schon selbstständig und wie groß ist dein Betrieb aktuell? 

Hallo, ja, wir haben unseren Betrieb wie gesagt in Gablingen bei Augsburg und haben aktuell zwölf Techniker auf der Baustelle draußen und drei Mitarbeiter im Büro. Wir haben uns spezialisiert auf den klassischen Einfamilienbau, dort auf den Bereich Badsanierung, auf Kesseltausch, aber auch auf den Neubau. Wie ich zu meinem Beruf gekommen bin, ist eigentlich ganz lustig. Mein Vater hatte mir empfohlen: Mach doch mal in dem Beruf ein Praktikum, und das war zufällig in dem Betrieb einer meiner Freunde. Und dann habe ich erst einmal klassisch Heizungsbauer gelernt über den normalen Weg der Ausbildung. War dann noch ein paar Jahre Geselle in dem Betrieb und wollte mich anschließend weiterbilden und bin dann auf die Technikerschule gegangen. Nach der Schule sind viele der Mitschüler in die Industrie gewechselt, nur mir lag halt das selbstständige Arbeiten, ich hatte da einfach Lust drauf. Daher habe ich mich im Anschluss selbstständig gemacht, da war ich 25 Jahre alt, und, ja, so lange bin ich nun selbstständig. 

 

 

Wie lange beschäftigst du dich bereits mit dem Thema Digitalisierung und warum? 

Grundsätzlich beschäftige ich mich schon seit der Firmengründung mit Prozessoptimierung, damals halt wirklich schwerpunktmäßig Prozessoptimierung und noch nicht so digital. Und seitdem es diese Möglichkeiten gibt, diese Prozesse digital abzubilden, haben wir schon sehr früh angefangen, diese digitalen Tools zu nutzen. Wir haben vor circa 15 Jahren angefangen, unser Lager mit Scanfunktionen auszustatten und über die Webshops der Großhändler Material digital zu bestellen. So richtig eingestiegen sind wir vor vier Jahren nach einem Workshop (Digital denken, erfolgreich handeln). Das, kann man so sagen, war eine Initialzündung für uns. Danach habe ich erstmal verstanden, was eigentlich alles unter das Thema Digitalisierung fällt: z. B. Prozesse und Strukturen, Social-Media-Marketing und viele andere Sachen. An dem Tag haben wir einen Fahrplan erstellt, was wir eigentlich alles umsetzen möchten, und an diesem Fahrplan hangeln wir uns auch heute noch entlang. Dieser ändert sich natürlich auch stetig und wird dann wieder angepasst. 

 

 

Was waren deine ersten Gehversuche?  

Das Erste war, wie schon gesagt, ziemlich früh das Scannen und Bestellen der Artikel im Lager, so dass diese Bestellungen direkt online ausgelöst wurden. Und das ermöglichte uns dann natürlich auch, dass die Monteure direkt bestellen konnten und dass nicht, wie man es gewohnt war, die Monteure abends mit einem Zettel hereinkamen, um die Artikel zu bestellen. Das war natürlich schon eine immense Zeitersparnis, und ein Schlüsselerlebnis war sicher die Umstellung des neuen ERP-Systems. Da haben wir natürlich in kürzester Zeit viele Prozesse und Strukturen vereinfachen können. 

 

Wir als Unternehmer müssen das Thema vorleben,
denn nur wenn wir den Weg selbst gegangen sind,
können wir es auch nachhaltig in die Firma integrieren.
Es ist nicht damit getan,
den Mitarbeitern ein Tablet zu geben.

 

 

Welche Vorteile würden dir auf Anhieb einfallen, die mit der Digitalisierung einher­gehen? 

Zeitersparnis ist sicherlich ein Thema, das schon groß ist, jedoch sehe ich es als sehr großen Vorteil an, dass ich die Daten halt von überall einsehen kann und diese immer zur Verfügung stehen. Ich muss die Menge der Daten, die in einem solchen Bauprojekt anfallen, halt nicht immer und immer wieder neu einpflegen oder zuordnen. Das kann ich halt nur mit einer durchgängigen Digitalisierung machen, da es sonst wirklich sehr schwierig und zeitaufwendig wird. 

 

 

Wie weit bist du aktuell und welche Themen stehen aktuell noch bei dir auf der Agenda? 

Wir befinden uns jetzt in den letzten Zügen der Digitalen Baumappe, denn dieses Thema hat schon sehr, sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Da wir mit den Möglichkeiten, die es am Markt gab, noch nicht so zufrieden waren, haben wir uns die Zeit genommen und sind jetzt auf der Zielgeraden. Der Prozess, den wir analog haben, hat aktuell noch gut funktioniert und daher haben wir abgewartet und haben es nun so, wie wir es uns vorstellen. Was wir jetzt gerade ausarbeiten, ist, dass wir den Verkaufsprozess nun so digital optimieren, dass wir wesentlich schneller werden in der Beratung und der Angebotsphase, da wir aktuell noch sehr viel Zeit in die persönliche Beratung stecken, und diesen Prozess möchten wir langsam immer mehr digitalisieren, da wir glauben, dass in den nächsten Jahren, wie schon gesagt, immer mehr über das Internet laufen wird. Es wird sicher nicht für jeden Kunden interessant sein, aber wir werden uns auf den Weg machen. 

 

 

Du hast ja wirklich in den letzten Jahren bereits eine Menge umgesetzt und bist vielen Kollegen bereits um einiges voraus. Wel­chen Tipp würdest du den Hand­werks­kollegen da draußen geben? 

Zwei Tipps kann ich geben, die sehr, sehr wichtig in meinen Augen sind. Zunächst einmal muss man sich einen Fahrplan anlegen, wo man aktuell steht und wo man hin möchte. Ich sehe oft genug bei Kollegen, dass sie alles irgendwie anfangen, aber sich nicht wirklich hinsetzen und sich einen Ablaufplan schreiben. Das wäre aus meiner Sicht schon sehr wichtig, um zielgerichtet die Aufgaben abzuarbeiten. Der zweite Tipp wäre, sich immer nur mit einem Projekt zu beschäftigen und nicht alles anzufangen, denn am Ende ist der Mitarbeiter und auch ich selber total überfordert und da verliert man natürlich auch schnell die Lust. 

Daher Fokus auf ein Thema und los geht’s!

 

 

Lieber Benedikt, danke für dieses tolle Interview. Ich bin begeistert, ja, und dankbar, dass wir uns jetzt mittlerweile seit zwei Jahren kennen, und ich freu mich natürlich, dass wir uns bald wiedersehen in der Mastermind. 

Vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für die neuen Projekte, die du noch umsetzen möchtest.